Die EU hat 9,5 Mio. Euro für ein bahnbrechendes Forschungsprojekt zur Behandlung von Stuhlinkontinenz bereitgestellt.
Ziel der Forschung ist es, mit Hilfe einer revolutionären Zelltherapie eine mögliche Heilung für eine Krankheit zu finden, von der schätzungsweise 67 Millionen Menschen in Europa betroffen sind.
Die Mittel gehen an ein Konsortium von 13 Organisationen aus neun Ländern mit dem Namen AMELIE (Anchored Muscle cELls for IncontinencE).
Das Projekt wird vom UCL koordiniert und von Richard Day, Professor für Regenerative Medizintechnologie am UCL, geleitet.
Zu den weiteren Partnern im Vereinigten Königreich gehören die Queen Mary University of London, NHS Blood and Transplant und die Wohltätigkeitsorganisation Bowel Research UK, die die Federführung bei der Einbeziehung der Patienten übernehmen wird.
Die Forschungsarbeiten werden über einen Zeitraum von fünf Jahren durchgeführt, wobei in jeder neuen Phase verschiedene Einrichtungen im Vereinigten Königreich, Spanien und Portugal die Federführung übernehmen.
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Entnahme patienteneigener Muskelzellen, die auf speziell entwickelte Mikroträger geladen und in den geschädigten Muskel implantiert werden, um die Regeneration zu fördern und die normale Funktion wiederherzustellen.
Professor Day sagte, dass eine solche Therapie der regenerativen Medizin vielen Menschen, deren Leben durch Inkontinenz stark beeinträchtigt ist, Hoffnung gibt:
“Wir sind von der Aussicht auf das AMELIE-Projekt und den potenziellen Vorteilen, die sich aus dem untersuchten neuen therapeutischen Ansatz ergeben könnten, sehr begeistert.
“Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem außergewöhnlichen Konsortium aus Wissenschaftlern, Klinikern, Industrie und Wohlfahrtsverbänden aus ganz Europa, um unseren bahnbrechenden Ansatz der regenerativen Medizin zur Behandlung dieser schwächenden Krankheit weiterzuentwickeln.
“Dies ist ein radikaler und innovativer Ansatz, der in dieser Größenordnung noch nie versucht wurde.”
Lesley Booth MBE, Direktorin für Forschung und PPI bei Bowel Research UK, sagte, dass die Krankheit zwar sehr häufig vorkomme, aber nicht viel darüber gesprochen werde.
“Die Realität eines Lebens mit Stuhlinkontinenz kann verheerend sein. Sie ist definitiv lebensbegrenzend. Und die Tatsache, dass es sich um eine Krankheit handelt, über die nicht offen gesprochen wird, erschwert die Führung eines normalen Lebens noch zusätzlich”, sagte sie.
“Eine Therapie zu finden, die funktioniert, wäre nicht nur ein großer medizinischer Durchbruch, sondern würde das Leben von Millionen von Menschen verändern.”
Dieses Projekt wurde von der Europäischen Union im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizont 2020 mit der Finanzhilfevereinbarung Nr. 874807 gefördert.